Woran sich erfolgreiche Führungsteams wirklich unterscheiden

Was macht erfolgreiche Führungsteams wirklich besser? Eine Auswertung von rund 400 anonymisierten 360-Grad-Feedback-Profilen zeigt: Der Branchen-Benchmark punktet nicht nur bei Ergebnissen, sondern vor allem bei Teamgeist, unternehmerischem Denken, Vertrauen und Entscheidungsstärke. Genau dort entscheidet sich, ob Führung nur organisiert – oder wirksam wird.

Erfolgreiche Führungsteams im 360-Grad-Feedback: Benchmark-Vergleich von Führungskompetenzen

Das Wichtigste in Kürze

Datenbasis: Ausgewertet wurden rund 400 anonymisierte 360-Grad-Feedback-Profile von Führungskräften aus mehreren Unternehmen. Die Bewertungen zeigen das Fremdbild der Führungsmannschaften.

Vergleich: Vier Unternehmen wurden mit einem wirtschaftlich besonders erfolgreichen Branchen-Benchmark verglichen. Die Skala folgt dem Schulnotensystem von 1 bis 5: niedrigere Werte bedeuten bessere Beurteilungen.

Kernaussage: Die größten Unterschiede zum Benchmark liegen bei Teamgeist, unternehmerischem Denken, Vertrauen, Orientierung und Entscheidungsstärke – also bei Kompetenzen, die gemeinsame Wirksamkeit ermöglichen.

Von Prof. Dr. Waldemar Pelz | Aktualisiert am 9. Juli 2026

Warum der Vergleich von Führungsteams so aufschlussreich ist

Viele Unternehmen beurteilen Führung noch immer stark über einzelne Personen: Wer ist besonders durchsetzungsstark, wer kommuniziert überzeugend, wer erreicht seine Ziele? Doch in der Praxis entscheidet nicht nur die Qualität einzelner Führungskräfte. Entscheidend ist, ob die Führungsmannschaft als Ganzes Vertrauen schafft, Orientierung gibt, Probleme löst und Ergebnisse ermöglicht.

Genau hier liefert 360-Grad-Feedback einen besonderen Nutzen. Es zeigt nicht nur, wie Führungskräfte sich selbst sehen, sondern wie sie von anderen erlebt werden: von Mitarbeitern, Kollegen, Vorgesetzten oder weiteren Feedbackgebern. Dadurch wird sichtbar, ob Führung im Alltag tatsächlich wirkt – oder nur in Strategiepapieren und Zielvereinbarungen gut klingt.

Der folgende Benchmark-Vergleich zeigt, worin sich erfolgreiche Führungsteams von anderen unterscheiden. Dabei geht es nicht um einzelne Namen, sondern um anonymisierte Muster in der Führungsqualität.

Die wichtigsten Ergebnisse im Benchmark-Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Fremdbild-Beurteilungen der Führungsmannschaften in vier Unternehmen A bis D sowie den Wert des Branchen-Benchmarks BM. Die Spalte „MW A–D“ zeigt den Mittelwert der vier Vergleichsunternehmen. Die letzte Spalte zeigt den Abstand zum Benchmark.

Wichtig: Die Skala folgt dem Schulnotensystem von 1 bis 5. Niedrigere Werte sind besser. Ein positiver Abstand bedeutet: Die Unternehmen A bis D schneiden im Mittel schlechter ab als der Benchmark.

Führungskompetenz A B C D MW A–D BM Abstand zum BM
Teamgeist emotional-intelligent fördern 2,9 3,1 3,2 2,9 3,03 2,2 +0,83
Unternehmerisch denken und handeln 3,2 2,8 3,7 2,5 3,05 2,3 +0,75
Vorbild sein und Vertrauen aufbauen 2,4 3,0 2,9 2,7 2,75 2,2 +0,55
Probleme effizient lösen und entscheiden 2,7 2,9 3,4 2,8 2,95 2,4 +0,55
Ziele und Perspektiven vermitteln 2,7 2,5 2,8 2,4 2,60 2,1 +0,50
Wirksames Feedback geben 2,7 2,7 2,8 2,4 2,65 2,2 +0,45
Effektiv und fair kommunizieren 2,8 2,7 2,7 3,0 2,80 2,4 +0,40
Unterstützen und Lernfähigkeit fördern 2,9 2,7 3,2 3,0 2,95 2,8 +0,15
Konflikte konstruktiv lösen 2,6 2,5 2,9 2,6 2,65 2,5 +0,15
Für messbare Ergebnisse sorgen 2,7 2,6 2,8 2,4 2,63 2,5 +0,13
Ideen in Taten umsetzen 2,8 2,8 3,3 2,7 2,90 2,8 +0,10

Hinweis: A bis D stehen für anonymisierte Vergleichsunternehmen. BM steht für den Branchen-Benchmark. Die Spalte „Abstand zum BM“ wurde als Mittelwert A–D minus Benchmark berechnet.

Die überraschende Erkenntnis: Nicht Ergebnisorientierung ist der größte Unterschied

Viele Geschäftsführer und HR-Verantwortliche vermuten zunächst, dass erfolgreiche Führungsteams vor allem bei Ergebnisorientierung besser abschneiden. Die Daten zeigen jedoch ein differenzierteres Bild. Der Abstand zum Benchmark ist bei der Kompetenz „Für messbare Ergebnisse sorgen“ vergleichsweise klein: Der Mittelwert der Unternehmen A bis D liegt bei 2,63, der Benchmark bei 2,5.

Das bedeutet nicht, dass Ergebnisorientierung unwichtig ist. Im Gegenteil: Ohne messbare Ergebnisse bleibt Führung wirkungslos. Aber die größten Unterschiede liegen offenbar dort, wo Ergebnisse vorbereitet, ermöglicht und gemeinsam getragen werden: bei emotional-intelligentem Teamgeist, unternehmerischem Denken, Vertrauen, Orientierung und Entscheidungsstärke.

Der größte Abstand: Teamgeist emotional-intelligent fördern

Der größte Unterschied zum Benchmark zeigt sich bei der Kompetenz „Teamgeist emotional-intelligent fördern“. Der Durchschnitt der vier Vergleichsunternehmen liegt bei 3,03, der Branchen-Benchmark bei 2,2. Das ist ein Abstand von 0,83 Punkten auf der Schulnotenskala.

Dieser Befund ist für die Praxis besonders wichtig. Teamgeist wird häufig als weiches Thema missverstanden. In Wirklichkeit entscheidet er darüber, ob Führungskräfte Informationen teilen, Konflikte produktiv bearbeiten, gemeinsam Verantwortung übernehmen und ihre Mitarbeiter für anspruchsvolle Ziele gewinnen.

Ein Führungsteam kann fachlich stark sein und trotzdem an mangelndem Zusammenhalt scheitern. Wenn jeder Bereich vor allem seine eigenen Interessen verteidigt, entstehen Reibungsverluste, politische Spiele und langsame Entscheidungen. Der Benchmark zeigt: Erfolgreiche Führungsteams erzeugen mehr gemeinsame Energie.

Unternehmerisches Denken ist der zweitgrößte Unterschied

Der zweitgrößte Abstand liegt bei „Unternehmerisch denken und handeln“. Der Mittelwert der Vergleichsunternehmen beträgt 3,05, der Benchmark 2,3. Besonders auffällig ist Unternehmen C mit 3,7.

Unternehmerisches Denken bedeutet nicht, dass jede Führungskraft wie ein Gründer handeln muss. Gemeint ist vielmehr, dass Führungskräfte wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen, Chancen erkennen, Verantwortung für Ergebnisse übernehmen und nicht nur ihren eigenen Bereich verwalten.

Für Geschäftsführer ist dieser Befund besonders relevant. Viele Organisationen leiden nicht daran, dass Führungskräfte zu wenig beschäftigt sind. Sie leiden daran, dass Führungskräfte zu wenig unternehmerisch priorisieren: Was schafft Wert? Was kostet Zeit ohne Wirkung? Wo muss entschieden werden? Wo verhindern Bereichsinteressen das gemeinsame Ergebnis?

Vertrauen und Vorbildfunktion bleiben zentrale Führungshebel

Bei „Vorbild sein und Vertrauen aufbauen“ liegt der Mittelwert der Vergleichsunternehmen bei 2,75, der Benchmark bei 2,2. Der Abstand beträgt 0,55 Punkte. Das ist einer der deutlichsten Unterschiede im gesamten Vergleich.

Vertrauen entsteht nicht durch Leitbilder, sondern durch Verhalten. Führungskräfte werden daran gemessen, ob sie Zusagen einhalten, Informationen offen teilen, fair entscheiden und selbst vorleben, was sie von anderen erwarten.

Gerade in Veränderungsprozessen ist Vertrauen ein wirtschaftlicher Faktor. Ohne Vertrauen sinkt die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, unangenehme Wahrheiten anzusprechen oder neue Wege mitzugehen. Der Benchmark legt nahe: Erfolgreiche Führungsteams sind nicht nur sachlich kompetent, sondern glaubwürdiger.

Problemlösung und Entscheidungen trennen starke von schwächeren Führungsteams

Ein weiterer großer Abstand zeigt sich bei „Probleme effizient lösen und entscheiden“. Der Mittelwert der Vergleichsunternehmen beträgt 2,95, der Benchmark 2,4. Besonders Unternehmen C fällt mit 3,4 deutlich zurück.

Das ist ein typischer Engpass in Führungsmannschaften. Probleme werden erkannt, besprochen und analysiert – aber nicht schnell genug entschieden. Oder Entscheidungen werden getroffen, ohne konsequent umgesetzt zu werden. In beiden Fällen entsteht ein Verlust an Wirksamkeit.

Erfolgreiche Führungsteams unterscheiden sich deshalb nicht nur durch bessere Ideen. Sie unterscheiden sich durch die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen, Konflikte auszuhalten und Entscheidungen so zu treffen, dass anschließend gehandelt wird.

Ziele und Perspektiven geben Orientierung

Auch bei „Ziele und Perspektiven vermitteln“ liegt der Benchmark deutlich vorn. Der Mittelwert der Vergleichsunternehmen beträgt 2,60, der Benchmark 2,1. Orientierung ist damit ein weiterer zentraler Unterschied.

Ziele allein reichen nicht. Führungskräfte müssen erklären, warum diese Ziele wichtig sind, welche Perspektive dahintersteht und was daraus für die tägliche Arbeit folgt. Ohne diese Übersetzung bleiben Ziele abstrakt. Mitarbeiter hören dann zwar, was erreicht werden soll, verstehen aber nicht immer, warum es zählt und welchen Beitrag sie leisten können.

Was Unternehmen aus dem Benchmark lernen können

Die Ergebnisse zeigen: Erfolgreiche Führungsteams entstehen nicht durch einzelne Stars. Sie entstehen durch gemeinsame Führungsqualität. Entscheidend ist nicht nur, ob einzelne Führungskräfte gut auftreten oder persönliche Ziele erreichen. Entscheidend ist, ob die Führungsmannschaft als Ganzes Vertrauen schafft, Orientierung gibt, unternehmerisch denkt und Entscheidungen wirksam umsetzt.

Für die Praxis ergeben sich daraus fünf Fragen:

  • Teamgeist: Arbeitet die Führungsmannschaft wirklich gemeinsam – oder verteidigt jeder Bereich seine eigenen Interessen?
  • Unternehmerisches Denken: Werden Entscheidungen nach Wirkung und Wertbeitrag getroffen – oder vor allem nach Zuständigkeiten?
  • Vertrauen: Leben Führungskräfte selbst vor, was sie von anderen erwarten?
  • Entscheidungsstärke: Werden Probleme effizient gelöst – oder immer wieder vertagt?
  • Orientierung: Verstehen Mitarbeiter nicht nur Ziele, sondern auch Sinn, Prioritäten und Richtung?

Warum 360-Grad-Feedback mehr zeigt als klassische Führungskräftebeurteilung

Klassische Beurteilungen zeigen häufig nur einen Ausschnitt: die Sicht des Vorgesetzten, Zielerreichung oder einzelne Leistungskennzahlen. 360-Grad-Feedback macht dagegen sichtbar, wie Führung im Alltag erlebt wird. Es verbindet Perspektiven aus dem Arbeitsumfeld und zeigt, ob Selbstbild und Fremdbild zusammenpassen.

Gerade bei Führungsteams ist dieser Perspektivwechsel wichtig. Denn viele Schwächen zeigen sich nicht sofort in Zahlen, sondern zunächst in Zusammenarbeit, Kommunikation, Vertrauen und Entscheidungsqualität. Werden diese Muster früh erkannt, lassen sich Führungsentwicklung, Coaching und Organisationsentwicklung gezielter ausrichten.

Was die Ergebnisse nicht bedeuten

Die Daten bedeuten nicht, dass ein einzelner Wert allein über die Qualität eines Unternehmens entscheidet. Auch Branche, Marktposition, Strategie, Produkte, Prozesse, Kultur und wirtschaftliche Rahmenbedingungen spielen eine Rolle.

Die Ergebnisse zeigen aber, wo sich erfolgreiche Führungsteams im Fremdbild besonders unterscheiden. Der Benchmark ist nicht in jeder Kompetenz gleich weit voraus. Besonders deutlich wird der Unterschied dort, wo Führung gemeinsame Wirksamkeit erzeugt: bei Teamgeist, unternehmerischem Denken, Vertrauen, Orientierung und Entscheidungen.

Fazit: Erfolgreiche Führungsteams erzeugen gemeinsame Wirksamkeit

Der Benchmark-Vergleich zeigt: Erfolgreiche Führungsteams unterscheiden sich nicht nur durch bessere Ergebnisorientierung. Der eigentliche Abstand entsteht dort, wo Führung Menschen verbindet, Orientierung schafft, unternehmerisches Denken fördert und Entscheidungen in Bewegung bringt.

Genau darin liegt der praktische Nutzen von 360-Grad-Feedback. Es zeigt nicht nur, ob Führungskräfte gut bewertet werden. Es zeigt, welche Kompetenzen die Führungsmannschaft als Ganzes stärken muss, damit Strategie, Zusammenarbeit und Umsetzung besser gelingen.

Gute Führung organisiert Arbeit. Erfolgreiche Führungsteams erzeugen gemeinsame Wirksamkeit.

Quelle und Einordnung

Grundlage dieses Beitrags ist eine anonymisierte Auswertung von rund 400 360-Grad-Feedback-Profilen von Führungskräften aus mehreren Unternehmen. Der Benchmark BM steht für ein wirtschaftlich besonders erfolgreiches Unternehmen der Branche.

Weitere Informationen zum Verfahren: 360-Grad-Feedback für Führungskräfte und Unternehmen.

Über den Autor

Prof. Dr. Waldemar Pelz ist Professor für Internationales Management und Marketing an der Technischen Hochschule Mittelhessen und Geschäftsführer des Instituts für Management-Innovation, einer Ausgründung aus der THM. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Führungskompetenz, 360-Grad-Feedback, Umsetzungskompetenz und wissenschaftlich fundierte Managementdiagnostik.

Weitere Informationen: Autorenprofil Prof. Dr. Waldemar Pelz.

Häufige Fragen

Was zeigt der Benchmark-Vergleich der Führungsteams?

Der Vergleich zeigt, in welchen Führungskompetenzen vier Unternehmen im Mittel vom Branchen-Benchmark abweichen. Die größten Unterschiede liegen bei Teamgeist, unternehmerischem Denken, Vertrauen, Orientierung und Entscheidungsstärke.

Was bedeutet die Skala von 1 bis 5?

Die Bewertungen folgen dem Schulnotensystem. Niedrigere Werte sind besser. Ein Wert von 2,2 ist daher besser als ein Wert von 3,0.

Warum ist Teamgeist der größte Unterschied zum Benchmark?

Teamgeist entscheidet darüber, ob Führungskräfte gemeinsam Verantwortung übernehmen, Informationen teilen, Konflikte konstruktiv bearbeiten und Mitarbeiter für gemeinsame Ziele gewinnen. Der Benchmark wird in dieser Kompetenz deutlich besser beurteilt als die Vergleichsunternehmen.

Warum ist unternehmerisches Denken für Führungsteams so wichtig?

Unternehmerisches Denken hilft Führungskräften, nicht nur Aufgaben zu verwalten, sondern wirtschaftliche Wirkung, Prioritäten und Verantwortung im Blick zu behalten. Es verbindet Führung mit Wertschöpfung.

Was bringt 360-Grad-Feedback für Führungsteams?

360-Grad-Feedback zeigt, wie Führungskräfte im Arbeitsumfeld tatsächlich wahrgenommen werden. Es macht Stärken, Schwächen, blinde Flecken und unternehmensweite Muster sichtbar und liefert damit eine bessere Grundlage für Führungskräfteentwicklung.