Welche Charaktereigenschaften haben Spitzenverdiener?

Wer bei Spitzenverdienern zuerst an Dominanz oder Statusstreben denkt, übersieht die entscheidenden Unterschiede dieser Auswertung. Auffällig sind vielmehr Eigenschaften, die berufliche Wirksamkeit ermöglichen: Mut, Willenskraft, Optimismus, Kreativität, Vorbildfunktion und Ausdauer. Eine Auswertung von 23.255 BPT-Profilen zeigt, wo die größten Unterschiede zwischen Spitzenverdienern und Geringverdienern liegen.

Spitzenverdiener im Vergleich: Charaktereigenschaften aus einer BPT-Studie mit 23.255 Profilen

Das Wichtigste in Kürze

Datenbasis: Ausgewertet wurden 23.255 Profile des Berufsbezogenen Persönlichkeitstests (BPT). Darunter befinden sich 1.231 Spitzenverdiener, 7.094 Geringverdiener und 6.074 Normalverdiener. Weitere 8.856 Profile enthielten keine Einkommensangabe und wurden für die Einkommensvergleiche nicht berücksichtigt.

Stärkste Unterschiede: Spitzenverdiener erzielen besonders höhere Werte bei Mut, Volition, Optimismus, Kreativität, Vorbildfunktion und Ausdauer. Diese sechs Unterschiede sind statistisch signifikant und haben praktische Relevanz.

Wichtig: Die Ergebnisse zeigen Gruppenunterschiede. Sie beweisen nicht, dass einzelne Charaktereigenschaften automatisch zu hohem Einkommen führen.

Von Prof. Dr. Waldemar Pelz | Aktualisiert am 9. Juli 2026

Warum die Frage nach Spitzenverdienern so interessant ist

Einkommen ist kein perfektes Maß für beruflichen Erfolg. Es hängt von Branche, Ausbildung, Erfahrung, Verantwortung, Marktwert, Unternehmensgröße, Verhandlungssituation und vielen weiteren Faktoren ab. Trotzdem ist die Frage interessant: Wenn Spitzenverdiener in bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen systematisch andere Werte zeigen als Geringverdiener, sagt das etwas darüber aus, welche Charaktereigenschaften im Berufsleben besonders häufig mit Verantwortung, Leistung und wirtschaftlichem Erfolg verbunden sind.

Genau darin liegt der Nachrichtenwert dieser Auswertung. Sie betrachtet nicht nur allgemeine Persönlichkeitstypen, sondern berufsrelevante Charaktereigenschaften, die im Alltag sichtbar werden: Wie mutig trifft jemand Entscheidungen? Wie konsequent verfolgt jemand Ziele? Wie optimistisch geht jemand mit Chancen um? Wie verlässlich übernimmt jemand Verantwortung? Und wie stabil bleibt eine Person, wenn es schwierig wird?

Was der Berufsbezogene Persönlichkeitstest misst

Der Berufsbezogene Persönlichkeitstest (BPT) erfasst Persönlichkeitsmerkmale, die für Beruf, Karriere, Führung, Zusammenarbeit und Selbststeuerung relevant sind. Er arbeitet nicht mit einfachen Typen, Farben oder Etiketten, sondern mit berufsbezogenen Merkmalen, die sich in konkretem Verhalten zeigen.

In dieser Auswertung wurden zehn Merkmale betrachtet:

  • Kreativität: neue Lösungen entwickeln und Chancen erkennen
  • Lernwille: aus Erfahrungen, Feedback und Veränderungen lernen
  • Optimismus: an die eigene Wirksamkeit glauben und Chancen sehen
  • Fairness: andere respektvoll und gerecht behandeln
  • Vertrauen: tragfähige Beziehungen aufbauen und Kooperation ermöglichen
  • Verantwortung: Zusagen einhalten und für Ergebnisse einstehen
  • Mut: Entscheidungen treffen und Risiken nicht grundsätzlich vermeiden
  • Vorbildfunktion: glaubwürdig handeln und Orientierung geben
  • Ausdauer: bei Schwierigkeiten handlungsfähig bleiben
  • Volition: Ziele konsequent in Handlung und Ergebnisse umsetzen

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt die Mittelwerte auf einer Skala von 1 bis 5. Je höher der Wert, desto stärker ist das jeweilige Merkmal ausgeprägt. Besonders aussagekräftig ist die Differenz zwischen Spitzenverdienern und Geringverdienern.

Merkmal Spitzenverdiener Geringverdiener Differenz
Mut 3,77 3,38 +0,38
Volition / Willenskraft 3,99 3,63 +0,36
Optimismus 4,06 3,71 +0,35
Kreativität 4,03 3,69 +0,35
Vorbildfunktion 4,12 3,78 +0,33
Ausdauer 3,89 3,57 +0,32
Verantwortung 4,09 3,80 +0,28
Lernwille 3,95 3,73 +0,21
Vertrauen 3,70 3,57 +0,13
Fairness 3,90 3,96 -0,06

Hinweis: Die Werte sind Mittelwerte auf einer Skala von 1 bis 5. Spitzenverdiener: n = 1.231; Geringverdiener: n = 7.094.

Der stärkste Unterschied: Mut

Der größte Abstand zeigt sich beim Merkmal Mut. Spitzenverdiener erreichen hier einen Mittelwert von 3,77, Geringverdiener 3,38. Das bedeutet nicht, dass Spitzenverdiener leichtsinnig handeln. Gemeint ist vielmehr die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und berufliche Chancen nicht aus Angst vor Fehlern zu vermeiden.

Gerade im Berufsleben ist Mut oft weniger spektakulär, als das Wort klingt. Mut zeigt sich zum Beispiel darin, eine anspruchsvolle Aufgabe zu übernehmen, eine unbequeme Entscheidung zu vertreten, eine neue Geschäftsidee zu testen oder eine Führungsrolle anzunehmen, obwohl das Ergebnis nicht garantiert ist.

Willenskraft: Ziele nicht nur wollen, sondern umsetzen

Der zweitgrößte Unterschied betrifft Volition, also Willenskraft und Umsetzungskompetenz. Spitzenverdiener erzielen hier einen Mittelwert von 3,99, Geringverdiener 3,63. Dieser Befund ist besonders wichtig, weil Motivation allein im Berufsleben oft nicht ausreicht.

Viele Menschen haben Ziele. Entscheidend ist aber, ob sie diese Ziele trotz Ablenkung, Rückschlägen, Stress und konkurrierenden Prioritäten verfolgen. Volition beschreibt genau diese Fähigkeit: Absichten in Handlung umzusetzen und dranzubleiben, wenn der erste Schwung nachlässt.

Optimismus: Chancen sehen, ohne die Realität zu verdrängen

Auch beim Optimismus liegen Spitzenverdiener deutlich vorn. Der Mittelwert beträgt 4,06 gegenüber 3,71 bei Geringverdienern. Gemeint ist dabei nicht naive Schönfärberei. Beruflich wirksamer Optimismus bedeutet, Chancen zu erkennen, an die eigene Wirksamkeit zu glauben und nach Rückschlägen nicht vorschnell aufzugeben.

Wer überzeugt ist, dass eigenes Handeln etwas bewirken kann, bewirbt sich eher auf anspruchsvolle Positionen, übernimmt eher Verantwortung und versucht nach Misserfolgen eher einen zweiten Weg. Genau diese Haltung kann im Berufsleben einen erheblichen Unterschied machen.

Kreativität: Neue Lösungen erkennen und nutzen

Spitzenverdiener erreichen beim Merkmal Kreativität einen Mittelwert von 4,03, Geringverdiener 3,69. Kreativität meint hier nicht künstlerische Originalität, sondern die Fähigkeit, neue Lösungen zu entwickeln, Zusammenhänge zu erkennen und Gewohntes zu hinterfragen.

In vielen Berufen entsteht wirtschaftlicher Wert nicht durch Routine, sondern durch bessere Lösungen: für Kunden, Prozesse, Produkte, Teams oder Geschäftsmodelle. Wer neue Möglichkeiten sieht und umsetzt, kann mehr Verantwortung übernehmen und häufiger messbare Beiträge leisten.

Vorbildfunktion: Glaubwürdigkeit zahlt sich aus

Der höchste absolute Wert der Spitzenverdiener zeigt sich bei der Vorbildfunktion: 4,12. Der Abstand zu Geringverdienern beträgt 0,33 Punkte. Das ist bemerkenswert, weil beruflicher Erfolg damit nicht nur als Ergebnis von Ehrgeiz oder Durchsetzungsfähigkeit erscheint.

Vorbildfunktion bedeutet, glaubwürdig zu handeln, Orientierung zu geben und sich an Maßstäben messen zu lassen, die man auch von anderen erwartet. In Führungsrollen, Kundenbeziehungen und anspruchsvollen Projekten ist diese Glaubwürdigkeit ein wichtiger Vertrauensfaktor.

Ausdauer: Erfolg braucht Belastbarkeit

Beim Merkmal Ausdauer erreichen Spitzenverdiener 3,89 Punkte, Geringverdiener 3,57. Das passt zu einer einfachen Beobachtung: Anspruchsvolle berufliche Ziele werden selten ohne Widerstände erreicht. Projekte dauern länger als geplant, Entscheidungen werden kritisiert, Märkte verändern sich, Kunden springen ab, Mitarbeiter kündigen oder Ziele müssen unter Druck erreicht werden.

Ausdauer bedeutet nicht, stur an falschen Wegen festzuhalten. Gemeint ist die Fähigkeit, nach Schwierigkeiten handlungsfähig zu bleiben, Hindernisse zu bearbeiten und Ziele nicht vorschnell aufzugeben.

Überraschend: Fairness ist nicht der Erfolgsunterschied

Ein interessanter Befund betrifft Fairness. Hier liegen Geringverdiener mit 3,96 leicht über den Spitzenverdienern mit 3,90. Dieser Unterschied ist klein und sollte nicht überinterpretiert werden. Beide Gruppen erreichen hohe Werte.

Der Befund spricht aber gegen eine einfache Erzählung, nach der Spitzenverdiener vor allem deshalb erfolgreich sind, weil sie rücksichtslos oder unfair handeln. Die stärkeren Unterschiede liegen nicht bei mangelnder Fairness, sondern bei Mut, Willenskraft, Optimismus, Kreativität, Vorbildfunktion und Ausdauer.

Was die Ergebnisse nicht bedeuten

Die Auswertung zeigt Gruppenunterschiede, aber keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung. Aus höheren Werten bei bestimmten Merkmalen folgt nicht, dass diese Eigenschaften allein hohes Einkommen verursachen. Ebenso wenig kann man aus dem Einkommen einer einzelnen Person zuverlässig auf ihren Charakter schließen.

Einkommen entsteht aus vielen Faktoren: Qualifikation, Branche, Berufserfahrung, Verantwortung, Unternehmensgröße, Standort, Verhandlungssituation, Netzwerke, Timing und persönliche Entscheidungen. Charaktereigenschaften wirken in diesem Zusammenspiel eher wie Verstärker. Sie erhöhen oder senken die Wahrscheinlichkeit, Chancen zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen, Belastungen zu bewältigen und langfristig wirksam zu bleiben.

Was Berufstätige daraus lernen können

Die Ergebnisse sind kein Rezept nach dem Motto: „Wer diese Eigenschaften hat, wird automatisch Spitzenverdiener.“ Sie zeigen aber, welche Merkmale besonders lohnend sind, wenn jemand beruflich wachsen, Verantwortung übernehmen oder die eigene Wirksamkeit steigern möchte.

  • Mut stärken: anspruchsvolle Aufgaben nicht vorschnell vermeiden.
  • Willenskraft trainieren: Ziele in konkrete Schritte, Routinen und Ergebnisse übersetzen.
  • Optimismus realistisch nutzen: Chancen sehen, ohne Risiken zu verdrängen.
  • Kreativität einsetzen: bessere Lösungen suchen, statt nur Routinen zu wiederholen.
  • Vorbildfunktion ernst nehmen: Glaubwürdigkeit durch konsistentes Handeln aufbauen.
  • Ausdauer entwickeln: nach Rückschlägen schneller wieder handlungsfähig werden.

Was Unternehmen daraus lernen können

Für Unternehmen ist die Auswertung ebenfalls relevant. Viele Personalentscheidungen orientieren sich stark an Fachkompetenz, Lebenslauf, Auftreten oder kurzfristiger Leistung. Doch wer langfristig Verantwortung tragen soll, braucht mehr als Wissen und Selbstbewusstsein.

Besonders wichtig sind Charaktereigenschaften, die im Alltag Wirkung erzeugen: Mut, Verantwortungsbereitschaft, Umsetzungskraft, Lernwille, Belastbarkeit und Glaubwürdigkeit. Diese Eigenschaften sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Deshalb sollten Unternehmen bei Potenzialanalysen, Führungskräfteentwicklung und Karriereentscheidungen nicht nur auf Auftreten, Sympathie oder bisherige Positionen achten.

Fazit: Spitzenverdiener unterscheiden sich vor allem durch wirksame Selbststeuerung

Die zentrale Botschaft der Auswertung lautet: Spitzenverdiener unterscheiden sich nicht in erster Linie durch Härte oder Rücksichtslosigkeit. Die größten Unterschiede liegen bei Eigenschaften, die berufliche Wirksamkeit ermöglichen: Mut, Volition, Optimismus, Kreativität, Vorbildfunktion und Ausdauer.

Damit verschiebt sich der Blick auf beruflichen Erfolg. Entscheidend ist nicht nur, was jemand kann. Entscheidend ist auch, ob jemand Chancen erkennt, Verantwortung übernimmt, Ziele konsequent verfolgt und nach Rückschlägen handlungsfähig bleibt. Fachkompetenz öffnet Türen. Charakter entscheidet häufig darüber, was Menschen daraus machen.

Wissenschaftliche Quelle

Grundlage dieses Beitrags ist die Auswertung von 23.255 BPT-Profilen sowie die Validierungsarbeit zum Berufsbezogenen Persönlichkeitstest:

Pelz, W. (2026). Der Berufsbezogene Persönlichkeitstest (BPT): Entwicklung und Validierung eines berufsbezogenen Persönlichkeitstests. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20976545

Weitere Informationen zum Test: Berufsbezogener Persönlichkeitstest BPT.

Über den Autor

Prof. Dr. Waldemar Pelz ist Professor für Internationales Management und Marketing an der Technischen Hochschule Mittelhessen und Geschäftsführer des Instituts für Management-Innovation, einer Ausgründung aus der THM. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Führungskompetenz, Persönlichkeit, Motivation, Umsetzungskompetenz und wissenschaftlich fundierte Managementdiagnostik.

Weitere Informationen: Autorenprofil Prof. Dr. Waldemar Pelz.

Häufige Fragen

Welche Charaktereigenschaften haben Spitzenverdiener?

In der BPT-Auswertung zeigen Spitzenverdiener besonders höhere Werte bei Mut, Volition, Optimismus, Kreativität, Vorbildfunktion und Ausdauer. Auch Verantwortung und Lernwille liegen über den Vergleichswerten der Geringverdiener.

Wie groß war die Datenbasis der Auswertung?

Die Auswertung beruht auf 23.255 BPT-Profilen. Für den Einkommensvergleich wurden 1.231 Spitzenverdiener, 7.094 Geringverdiener und 6.074 Normalverdiener betrachtet. Profile ohne Einkommensangabe wurden für diesen Vergleich nicht berücksichtigt.

Beweisen die Ergebnisse, dass bestimmte Charaktereigenschaften hohes Einkommen verursachen?

Nein. Die Ergebnisse zeigen Gruppenunterschiede, aber keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung. Einkommen hängt zusätzlich von Branche, Qualifikation, Erfahrung, Verantwortung, Marktwert und weiteren Faktoren ab.

Sind Spitzenverdiener automatisch die besseren Führungskräfte?

Nein. Hohes Einkommen ist nicht dasselbe wie wirksame Führung. Für Führung zählen zusätzlich Vertrauen, Fairness, Empathie, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, andere Menschen mitzunehmen.

Warum ist Persönlichkeit für beruflichen Erfolg wichtig?

Fachwissen öffnet Türen. Persönlichkeit entscheidet häufig darüber, ob Menschen Verantwortung übernehmen, Ziele konsequent verfolgen, mit Rückschlägen umgehen und Vertrauen aufbauen.

Was unterscheidet den BPT von vielen populären Persönlichkeitstests?

Der BPT arbeitet nicht mit starren Typen oder Farbschemata, sondern mit berufsrelevanten Persönlichkeitsmerkmalen und Vergleichsdaten. Dadurch eignet er sich besonders für Karriere, Coaching, Potenzialanalyse und Führungskräfteentwicklung.